Die Schambacher Feuerwehr hat jüngst beschlossen die historische Fahne des Vereins aus dem Jahr 1876 in der Fahnen- und Paramentenstickerei der Franziskanerinnen von Aiterhofen restaurieren zu lassen. Gerade die handwerkliche Kunstfertigkeit der Bearbeitung, welche die wertvolle Fahne aufzeigt, ist dem Verein von besonderer Wichtigkeit.
Schon vor über 100 Jahren waren den Schambachern die Darstellungen auf der Vorder- und Rückseite der Fahne von hoher Bedeutung. Auf der einen Seite ist eine Abbildung von Feuerwehrutensilien in sehr filigraner und höchster handwerklicher Kunstfertigkeit gestaltet. Die Rückseite zeigt eine sehr ergreifende Darstellung des Heiligen Florian mit der örtlichen Pfarrkirche St. Nikolaus.
Hl. Florian ist ein besonderer Patron
Floriani-Feste, entsprechende Bruderschaften und vor allem Wallfahrten – auch in unserer Region – zu dem Schutzpatron sind noch immer weit verbreitet. Der Hl. Florian ist Schutzpatron gegen Feuer- und Wassergefahr, der Feuerwehr, sowie Landespatron von Oberösterreich. Besonders beeindruckend ist die alljährliche Feuerwehrwallfahrt zum österreichischen Stift St. Florian. Die Feuerwehrwallfahrt nach St. Florian bei Linz ist eine traditionelle Pilgerreise zum Grab des hl. Florian, dem Schutzpatron der Feuerwehrdienstleistenden, der auch für die Schornsteinfeger zuständig ist. Rund um den Florianitag (4. Mai) besuchen zahlreiche Feuerwehren auch aus unserem Landkreis das berühmte Stift St. Florian. Kirchliche Feierlichkeiten zum Hl. Florian finden dazu in vielen Pfarreien statt und werden auch heute noch gerne organisiert.
Die damaligen Stickerinnen haben die wertvolle Fahne und sonstige bestickte Kunstwerke, wie auch heute, noch per Handarbeit und mit ausgewählter Kunstfertigkeit bestickt. Dadurch bekommt jede einzelne Stickerei eine individuelle Note und ist einzigartig. Gerade die Qualität der Handstickerei ist hervorragend und besonders langlebig. In der Stickerei werden die verschiedenen Stufen der Herstellung einer Fahne bzw. bei einer Restaurierung im Vorfeld besprochen.
Schritte des Restaurierungsverfahrens
Der erste Schritt ist die individuelle Zeichnung, dann wird die Zeichnung gestochen und auf den Stoff übertragen. Die Stickerinnen erhalten die Aufgabe, alles entsprechend auf dem Stoff auszugestalten. Gerade die Gestaltung von menschlichen Antlitzen oder Besonderheiten aus der örtlichen Umgebung des Vereins können hier einfließen und bringen den heutigen Vereinsmitgliedern auch nach drei Generation noch die Intentionen der damaligen Auftraggeber nahe. Sie zeigen auch, wie damals der Ort, eine Kirche usw. ausgesehen haben. Bei der Restaurierung muss berücksichtigt werden, dass alles individuell gemacht und per Hand bestickt wird. Der Stoff wird dabei erneuert, wenn möglich, wird die vorhandene Stickerei und das Material wieder verwendet.
Stolz wird die Fahne getragen
Mit Stolz wurde über viele Jahrzehnte diese Fahne bei Umzügen, Prozessionen, Beerdigungen und anderen feierlichen Anlässen getragen. Beim Betrachten von der nun wieder hergerichteten Feuerwehrfahne kann man die Gestaltungsfreude und die Kreativität erahnen, wie sich die Stickerinnen konzentriert der mühevollen Arbeit widmeten.
Die Mitarbeiterinnen der heutigen „Fahnen- und Paramentenstickerei des Klosters Aiterhofen“ haben in ihrer Tradition über die vielen Jahrzehnte diesen künstlerischen Zugang zur Gestaltung dieser Einzelstücke erhalten. Die hergerichtete Fahne wird wieder für die Vereinsziele: Kameradschaft und Zusammengehörigkeit stehen. Jede Feuerwehrfahne steht für das Motto „Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr“. Aber auch für die Zusammengehörigkeit und den kameradschaftlichen Gemeinschaftssinn. Sie ist Ausdruck der dem Menschen innewohnenden Sehnsucht, nicht allein zu.
Bei der Abholung der Vereinsfahne und der Fahnenbänder wurde auch der Wert der Handwerkskunst erörtert. Für eine handwerkliche Neuherstellung der Schambacher Feuerwehrfahne wären heute etwa 25.000 Euro nötig. Ein enormer Betrag, was den Wert der Fahne noch bekräftigt und besonders ideell erhöht.
Am dritten Mai-Sonntag, 17.5.2026, findet die Weihe der historischen Fahne im Freigelände des Wasserschlosses Schambach durch den Pfarrer Gerhard Pöpperl statt.

