Historiker Arbeitskreis tagte

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Bürgermeister Christian Hirtreiter stellte die Geschichte des historischen Gasthofs "Zur Post" und schöne Ortsansichten von historischen Postkarten den aktiven historisch interessierten Gremiumsmitgliedern des „Historikerarbeitskreises der Gemeinde Straßkirchen“ vor. Es wurden zwei neue Mitglieder aufgenommen: von links: Willi Goetz, Josef Bock, Hans Edenhofer, Louis Popp (neu, Interessensgebiet: Straßkirchner Bahnhofsgeschichte), Markus Stegemann (neu, Interessensgebiet: Historische Straßkirchner Gewerbebetriebe), Bürgermeister Christian Hirtreiter mit alter Straßkirchner Ansicht und Norbert Ubrig

Straßkirchner Gremium wurde verjüngt

Beim jüngsten Treffen der historisch interessierten Gemeindebürger konnte Bürgermeister Christian Hirtreiter im Rathaus neben den seit zehn Jahren engagiert tätigen Ehrenamtlichen zwei neu Gremiumsmitglieder begrüßen (28.1.26). Eingangs wurde anhand von Lichtbildern die in der Gemeinde Straßkirchen wichtige Historie des historischen Gasthofkomplexes „Zur Post“ mit Telegrafenamt dargestellt. Erörterung fand, dass die Gemeinde nun Eigentümer des historischen Gasthofes „Zur Post“ mit Anbau, Biergarten, dem historischen Telegrafenamt und dem Innhof, sowie dem Gesamtgelände ist.

Massive Attraktivitätssteigerung durch „Revitalisierung“

Um hier die Attraktivität im Ortskern, gemäß dem gemeindlichen Ortsentwicklungskonzept, zu steigern wird aufbauend auf die umfangreiche Bürgerbeteiligung beim innerörtlichen Ortsentwicklungskonzept (ISEK) eine „Zukunftswerkstatt Ortsmitte“ ins Leben gerufen. Hier kann sich die Bürgerschaft in diesen spannenden Prozess einbringen und gemeinsam an der Innenentwicklung des Straßkirchner Ortszentrums mitarbeiten.
Durch die Sicherung dieses Schlüsselgrundstückes wird nun ein neuer Ideenprozess angestoßen, so der Bürgermeister, denn sobald die B8-Ortsumgehung realisiert ist, erhält Straßkirchen durch die Beruhigung des Ortskerns eine neue Lebensqualität. Eingegangen wurde auf die geschichtliche Entwicklung des Gesamtkomplexes. Der stattliche Bau mit Schopfwalmdach aus dem 17. Jahrhundert, ist ortsbildprägend und mit vielen ortsgeschichtlichen Entwicklungen bis in die Neuzeit verbunden. Die Abklärung von Fördermitteln läuft derzeit.

Zeitlos brisant: „Flucht und Vertreibung“

Anhand vom historischen Bildmaterial berichtete Norbert Ubrig dem Gremium zum interessanten Themenfeld „Flucht und Vertreibung“, das aufgrund der aktuellen Zeitgeschichte noch mehr Brisanz erhält.
Durch den 2. Weltkrieg wurden Millionen von Menschen entwurzelt. Gerade im letzten Kriegswinter 1944/1945 flohen viele aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten vor der heranrückenden „Roten Armee“ nach Westen. Nach den Vertreibungen folgten gezielte Aussiedlungen von Deutschen aus den Ostgebieten, aus dem Sudetenland, aus Schlesien und vielen anderen über Jahrhunderte von deutschstämmigen Volksgruppen besiedelten Gebieten. Die Unterbringung folgte in Notquartieren, Flüchtlingsunterkünften, großen Lagern und Privatfamilien. Norbert Ubrig stammt aus einer Textilkaufmannsfamilie aus Schlesien. Er ist selbst noch 1944 im oberschlesischen Friedland geboren. Der rüstige Senior Norbert Ubrig berichtete wie er nach mehreren Zwischenstationen u.a. in Hochbruck/Bischofsmais als sechsjähriger Junge 1949 nach Straßkirchen kam. Der mit Straßkirchen eng verbundene Schriftsteller und Heimatforscher Max Peinkofer regte bei seinen befreundeten Straßkirchner Familien an, dass man „nicht einmal ein Schneuztücherl (Taschentuch)“ in Straßkirchen kaufen könne und man daher unbedingt ein entsprechendes Textilgeschäft brauche. Über verschiedene Verbindungen wurden die Eltern von Norbert Ubrig nach Straßkirchen „gelotst“ und hatten von 1949 an in der Lindenstraße ein Textilgeschäft, welches dann 1954 direkt gegenüber der heutigen Sparkasse in die Straubinger Straße umgesiedelt wurde. Die Familie Süßbrich führte in der Lindenstraße eine gewerbliche Handlung weiter, wobei heute an dieser Stelle nur noch eine Wiese besteht. Bereits 1964 wurden die Geschäftsräumlichkeiten des „Textilgeschäfts Hubert Ubrig“ um ehemalige Stallungsräumlichkeiten erweitert. Das Textilgeschäft war über 50 Jahre bis zum 31.12.2003 als Familienunternehmen in Betrieb und eine feste Institution am Ort. Norbert Ubrig berichtete von dem Warenangebot, Textilien, Gardinen und etlichen Kleidungssorten, das sich im Laufe der Jahre mit unterschiedlichen Schwerpunkten weiterentwickelte. Ubrig erzählt zu den unterschiedlichen Familien, die sich im Zeitraum nach dem 2. Weltkrieg im Gäubodendorf Straßkirchen ansiedelten. Gerade die Namen der Straßen, Sudetendeutsche Straße, Schlesische Straße erinnern an diese turbulente Zeit, so Ubrig.
Der Wohnungsbau mit staatlicher Förderung setzte unmittelbar nach der Währungsreform 1948 in großem Umfange ein. Das erste Vorhaben mit sieben Eigenheimen entstand 1950 an der Frühlingstraße. Die Gemeinde Straßkirchen hatte hierzu durch Erbbaurechtsvertrag den Baugrund zur Verfügung gestellt. 1952 schafften sich acht Familien an der Rosenstraße ihr eigenes Heim. Die damaligen „Neubürger“ sind nun zwei Generationen später fest im Ortsleben integriert, so Ubrig.

Ziegeleien prägten Ortsleben über Generationen

Der in einem „Bauspengler/Dachdecker-Betrieb“ ausgebildete junge Straßkirchner Markus Stegemann wird künftig beim Historikergremium mitarbeiten. Aufgrund seiner Ausbildung hat er einen besonderen Interessenschwerpunkt im Bereich der historischen örtlichen Gewerbebetriebe. Da zwei große Ziegeleien in Straßkirchen beheimatet waren: Schrödinger (heute Bereich: Ahornring) und Baier (heute: Ringstraße und Steinweg) hat Stegemann hier ein besonderes Hauptaugenmerk. Diese großen Lehmabbaugebiete mit riesigen Gebäudlichkeiten sind nun Wohnbaugebiete. Von 1952 bis 1956 legten über vierzig Familien Hand mit an, um sich auf dem Platze des ehemaligen Ziegelwerkes Josef Baier (Ringstraße, Steinweg, umgangssprachlich „Greil-Gruam“) ein Wohnhaus zu bauen.
Ebenso neu im Gremium ist der Achtzehnjährige Louis Popp, der anhand von historischem Fotomaterial zur Straßkirchner Eisbahnstation ein Zugunglück aus dem Jahr 1942 an dem damaligen Bahnübergang „Bavariastraße/Bachstraße“ (heute verschwunden) erörterte. Besondere Freude macht dem jungen Mann die Beschäftigung mit der Bahnhistorie in Straßkirchen, das früher eine bedeutsame Bahnhof-Infrastruktur mit mehreren Gebäuden besaß.
Der Schambacher Josef Bock berichtete zu seinen Aktivitäten und stellte „Überliefertes“ zum bekannten Schambacher „Jaga Sepp“ und dem Cousin dem Förster „Jagga Wigg“ vor. Der gebürtige Putzenhofener, Hans Edenhofner, ist derzeit am Verfassen einer Abhandlung zum ehemaligen Ortsteil Putzenhofen, und widmet sich aktuell der intensiven Verbindung der Straßkirchner Bevölkerung zum einstmals sehr wichtigen „Loher Kirta“. Der „Loher Kirta“ ist ein traditionsreiches, überregional bekanntes Kirchweihfest im Nachbarort Loh mit Wallfahrtskirche, wo jährlich am ersten Septembersonntag gefeiert wird.

Angebote für örtliche Schule werden gestaltet

Beschlossen wurde, da gerade die Identifikation mit der Heimat und der eigenen Ortsgeschichte wichtig ist, dass die Gremiumsmitglieder künftig den jeweiligen Absolventen der örtlichen Schule im Rahmen einer geschichtlichen Ortsführung die „Kleinode“ Straßkirchens erläutern. Denn neben Kultur, ist gerade bei einem Ortsrundgang und dem Kennenlernen der historischen Bauten, hier die Möglichkeit das historische Erbe weiterzugeben. Christian Hirtreiter betonte: „Wer die Geschichte nicht kennt, kann die Gegenwart nicht bewerten und die Zukunft nicht richtig gestalten.“ In der digitalen Zeit sind verlässliche Wissensquellen und authentische Zeitzeugen wichtiger denn je, so der Bürgermeister.

Dritter Band zum Heimatort von Willi Goetz

Bürgermeister Christian Hirtreiter dankte den Gremiumsmitgliedern fürs hervorragende Engagement in allen Bereichen. Insbesondere auch Willi Goetz der immer noch aktiv ist. Ob Schulmuseum oder Ortsgeschichte, überall sei Goetz vorbildlich tätig, so Hirtreiter. Seit über 30 Jahren gibt das Schulmuseum Kindern einen Einblick in die Zeit von damals. Nach „Straßkirchen in alten Ansichten“ im Jahr 2004 und einer Ortsgeschichte 2012 gibt es seit 2021 von Willi Goetz einen dritten Band über seinen Heimatort mit dem Titel „Straßkirchen in Zeitungsartikeln“, gedruckt in der Cl. Attenkofer`schen Buch- und Kunstdruckerei Straubing. Er enthält auf 142 Seiten eine Auswahl von in den letzten 20 Jahren von Willi Goetz für das Straubinger Tagblatt verfasster orts- und heimatkundlicher Artikel aus der reichen Vergangenheit und Gegenwart des Dorfes, ausgestattet mit vielen Bildern. Auch die wichtigen Inhalte des Bajuwarengräberfeldes sind darin kommentiert. Für die kommende Versammlung wird ein Ortstermin im Gasthof „Post“ und ein Vortrag vom Ortschronisten der Nachbargemeinde Thomas Haug zur „Topothek Stephansposching“ einem digitalen, lokalhistorisches Archiv, organisiert.

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