24.09.2018
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Schützengesellschaft feierte 100-jähriges Gründungsjubiläum

Bei Weißblauem Bilderbuchwetter gefeiert – Jubelfest für die Gesamtgemeinde

Der Schützenverein "Schützengesellschaft Almenrausch Straßkirchen e.V." wurde 100 Jahre alt und hat das Jubiläum am vergangenen Wochenende gebührend gefeiert. Über dreißig Vereine mit über 600 Teilnehmern waren gekommen um mit dem Traditionsverein anzustoßen. Straßkirchens Bürgermeister Christian Hirtreiter hatte die Schirmherrschaft übernommen. Der mitgliederstarke Chiemgauer Partnerverein Straßkirchen (Landkreis Rosenheim) war mit einem Reisebus voller oberbayerischer Schützen bei der stimmungsgeladenen Festivität dabei. 

Bei Weißblauem Bilderbuchwetter zog die Schützengesellschaft Almenrausch bei ihrem Festzug durch das Straßkirchner Ortszentrum. Zu der Festlichkeit waren alle Straßkirchner Ortsvereine und die Delegationen der zur Schützensektion gehörigen Schützenvereine des Schützengaues im Landkreises Straubing-Bogen eingeladen. Die musikalische Umrahmung beim Umzug und den Festlichkeiten übernahmen die „Kapelle Führmann“ und die Irlbacher Blaskapelle Donautal. Der festlich zelebrierte Jubiläumsgottesdienst wurde von der Kapelle Führmann unter Leitung von Amandus Eglseder musikalisch gestaltet. Pfarrer Michael Killermann ging in der Pfarrkirche St. Stephanus auf die Geschichte des „kleinen Meisterschützen“ ein. Der Geistliche berichtete, dass ein König ein Dorf besuchte und erstaunt, an einem Baum mit einer aufgemalten Zielscheibe vorbei ritt, in welcher genau in der Mitte ein Pfeil steckte. Der neugierige König ließ seine Diener nach dem hervorragenden Schützen suchen. Es wurde ihm ein kleiner Junge gebracht, der ihm auf seine Nachfrage nach dessen Schießkunst berichtete: „Herr König, ich ziele erst und male dann die Zielscheibe um den Pfeil herum!“ Aufbauend auf diese Geschichte, ist es im Leben um seine Ziele zu erreichen, wichtig, das Richtige in der richtigen Reihenfolge zu tun, so Pfarrer Michael Killermann. Das sei im Vereinsleben aber auch im Alltag wichtig, so der Geistliche.

--„Allzeit Gut Schuß!“--

Nach dem Jubiläumsgottesdienst und Umzug war in der Straßkirchner Gäubodenhalle die Straubinger Wirtsfamilie Robert Schmid für die Verpflegung verantwortlich. Nach den Grußworten des Schirmherrn Christian Hirtreiter und des Vizelandrats Xaver Eckl wurden die Ehrung des Vergleichsschiessens der sieben Gäubodengemeinden und die Siegerehrungen der Meisterschaften durchgeführt. Bürgermeister Christian Hirtreiter stellte heraus, dass in ganz Bayern - insbesondere in Straßkirchen - das Schützenwesen eine große Tradition hat. Die Schützenvereine wurden ursprünglich zum Schutz und zur Verteidigung der örtlichen Gemeinschaft und zur Landesverteidigung gegründet, so Hirtreiter. Die ersten Schützenvereine zu diesem Zweck entstanden bereits im Mittelalter. In Straßkirchen erfolgte nach dem 1. Weltkrieg an Weihnachten 1918 die Gründung und seither ist der Traditionsverein aktiv. Die Heimatverbundenheit und die Verwurzelung ist seit Generationen ein wichtiges Element im Verein. Hirtreiter dankte all jenen, die aktiv im Schützenverein mitwirken und ehrenamtliche Aufgaben wahrnehmen oder dies in der Vergangenheit getan haben, denn ohne die wäre der Verein nicht nach 100 Jahren noch so aktiv und rührig. Hirtreiter betonte, dass die Eigenschaften, die beim Sportschützen gefragt sind: ein scharfes Auge, eine sichere Hand und ein klarer Kopf – auch im Alltagsleben bei Jung und Alt wichtig seien. Abschließend wünschte er den Mitgliedern der anwesenden Schützengesellschaften „Allzeit Gut Schuß“. Vizelandrat Xaver Eckl überbrachte die Glückwünsche des Kreistags und bekräftigte, dass der sportliche Wettbewerb im Schießsport, aber auch die Kameradschaft wichtige Elemente im Vereinsleben darstellen und wünschte der Schützengesellschaft eine weiterhin erfolgreiche Entwicklung.

--Jugendarbeit und Vereinsleben sind wichtig--

Die Schützengesellschaft Almenrausch hat ein sehr reges Vereinsleben bei dem auch die Kameradschaft und Jugendarbeit neben den sportlichen Erfolgen eine wichtige Rolle spielt. Neben erfolgreichen Junioren hat der Verein auch einige erfolgreiche Mannschaftsschützen in seinen Reihen. So zählen Bayerische Meister, als auch erfolgreiche Sektionsschützenmeister zu den Mitgliedern des Traditionsvereins. Durch den Gauschützenmeister Roland Saller und den Sektionsschützenmeister Christian Schäfer erfolgten die umfangreichen Ehrungen der langjährig verdienten Mitglieder und Führungskräfte. Die Chroniken und Vereinsarchivalien der vergangenen 100 Jahre lagen während der Festlichkeiten zur Einsicht in der Gäubodenhalle auf. Anhand einer kleinen Ausstellung wurde auch die Ausstattung eines erfolgreichen Sportschützen dargestellt. Es wurden auch die besten Einzelschützen, die sich im vereinseigenen Schießstand dem Vergleichswettbewerb unterzogen haben, ausgezeichnet. Der Schirmherr des Straßkirchner Schützenjubiläums hatte eine vom Straßkirchner Bürger Walter Gschwind gemalte Schützenehrenscheibe für die Durchführung des diesjährigen Schützenvergleichswettkampfes gestiftet. Der Straßkirchner Walter Gschwind ist mit besonderer Begeisterung seit Jahren ein vielfach gefragter Künstler für die Gestaltung von Schützenscheiben. Seine Leidenschaft für diese besondere Kunstform hat er bereits in den 1960er Jahren im Rahmen seiner Ausbildung (1964-1967) zum Dekorateur im Straubinger Modehaus Sallinger und durch seinen Lehrer den Straubinger Kunstmaler Alois Koch nahegelegt bekommen. Dem Gewinner der Jubiläumsscheibe, Bernhard Ebenbeck vom Nachbarverein Irlbach, wurde die Ehrenscheibe bei der Königsehrung ausgehändigt. Bei der Festlichkeit wurden sehr seltene Ehrungen der Führungskräfte und der verdienten Vereinsmitglieder durchgeführt. Gemäß der Ehrungsordnung des Bayerischen Sportschützenbundes e. V. erhielten mehrere Mitglieder u.a. das Silberne Ehrenzeichen, für 40 Jahre das Goldene Ehrenzeichen und für 60 Jahre das Goldene Ehrenzeichen mit Eichenlaub. Ehrenmitglied Helmut Steiner sen. erhielt dabei zusätzlich eine Reihe besonderer Verbandsauszeichnungen überreicht. Besonderer Höhepunkt des Festnachmittags war der Auftritt der Straßkirchner Musikerin Corinna Zollner mit ihrer "Steirischen", der zu vielen Applaus-Salven und Zugabe-Rufen führte. Der Festtag endet am Sonntagabend gegen 21 Uhr, wobei besonders dem Schützenmeister Christian Schäfer und seiner Ehefrau Doriane für deren Engagement bei der Durchführung des Jubiläums und den Sponsoren vom stellvertretendem Schützenmeister Georg Muhr gedankt wurde.

---Wechselvolle Vereinshistorie seit 1918 durchlebt---

Am Hl. Abend vor genau 100 Jahren - am 24. Dezember 1918 - unmittelbar nach dem Ende des 1. Weltkriegs - entschlossen sich 70 Männer, darunter viele Kriegsteilnehmer, zur Vereinsgründung. Es wurde als erster seiner Art im damaligen Landkreis Straubing eine "Kriegsschützengesellschaft Straßkirchen" gegründet. Bereits 1924 wurde aus den Kriegsschützen der Verein "Almenrausch-Schützen", sodass bereits im August 1925 auf dem neu errichteten Schießstand ein bezirksweites Gauschießen stattfinden konnte. Im Jahr 1930 wurde dann auf dem Gelände des Gasthofs "Zur Post" auch ein Kleinkaliberschießstand errichtet, der nach dem 2. Weltkrieg durch Unterstützung von Baron von Poschinger-Bray 1955 wieder in Betrieb gehen konnte. Eine Erneuerung fand 1977 statt. Der Schützenverein ist nach wie vor ein Verein bei dem die Geselligkeit und das sportliche Vergleichsschießen gleichermaßen wichtig sind. So sind derzeit einige Vereinsmitglieder Träger auch überregionaler Titel und die jährlichen Dorfmeisterschaften sind immer ein spannendes Ereignis. Ursprünglich gab es in Straßkirchen in einem zweiten Gasthof - Leidl`scher Gasthof (Straubinger Straße) - sogar einen zweiten Schützenverein der weit vor dem 1. Weltkrieg gegründet wurde, dessen Aktivitäten allerdings früher als bei dem auch heute sehr aktiven Almrausch-Schützen endeten. Gerade bei den Meisterschaften sind die Königsketten aber auch die vielfach kunstvoll gestalteten Schützenscheiben Relikte, welche mehr als nur vereinsgeschichtliche Bedeutung haben. Die Materialien der Schützenvereine schreiben in vielen Orten wichtige Kapitel in den jeweiligen Ortsgeschichten. So sind die aus purem Silber hergestellten Schützenketten oftmals fünfstellige Eurobeträge wert, da gerade derartige alte Münzen und Medaillen sich zunehmender Sammelleidenschaft erfreuen. Bei den Schützenscheiben handelt es sich um Ehren- oder Königsscheiben, welche die traditionelle Auszeichnung für Schießwettbewerbe darstellen. Die Tradition der Schützenscheiben ist vorwiegend im bayerisch-österreichischen Raum verbreitet. Ehrenscheiben werden beispielsweise zu Ehren einer Persönlichkeit, anlässlich dessen Geburtstages, einer Hochzeit oder eines Preisschießens gestiftet und ausgeschossen. Der Schützenkönig erhält oftmals zusätzlich zur Königskette auch die Königscheibe, wobei er dadurch auch die Verpflichtung übertragen bekommt, die meist noch aufwendiger oder zumindest genauso wertvolle Königsscheibe für das folgende Königsschießen im darauf folgenden Jahr zu stiften. Ehren- und Königsscheiben sind – und waren besonders im 18. und 19. Jahrhundert – absolute Einzelstücke und sind sehr oft aufwendig künstlerisch gestaltet. Die handbemalte Ehrenscheibe aus Holz ist die ursprünglichste Form der Schießscheibe. Das Ausschießen von Ehrenscheiben geschieht oft verdeckt, d. h. mit zugeklebtem Scheibenspiegel, oder der Gewinner wird nach dem Schießen „ausgestochen“: mit verbundenen Augen sticht eine Person mit einem Jagdmesser auf die Scheibe und bestimmt damit das Ziel, dies war die traditionelle Form, heutzutage erhält der Schütze mit dem besten Schießergebnis in der Einzelwertung die Siegestrophäe. Siegerpokale und Schützenscheiben schreiben ein Stück Heimatgeschichte und sind mehr als eine Erinnerung an sportliche Leistungen.

Die Almenrauschschützen Straßkirchen feierten ihren 100. Geburtstag gebührend. Die Schützengesellschaft mit Ehrenmitglied Helmut Steiner (1. von links) und Ehrenmitglied Hans Stelzl (1. von rechts), sowie Bürgermeister und Schirmherren Christian Hirtreiter, der zum Verhindern von Regenwetter beim Jubiläumsfest einen weiß-blauen Schirm erhalten hatte – was erfolgreich gelang.

Die ausgezeichneten Gemeindevertreter der sieben Gäubodengemeinden mit den Ehrengästen. Bei dem Wettkampf zwischen den Mannschaften der Gemeinden Straßkirchen, Irlbach, Aiterhofen, Leiblfing, Salching, Feldkirchen, Oberschneiding war das jeweilige Gemeindeoberhaupt mit drei Gemeinderäten angetreten. Die Straßkirchner Mannschaft konnte den ILE-Gäuboden-Pokal (Integrierte-Ländliche-Entwicklung im Gäuboden) dabei erringen.

Sektionsschützenmeister Christian Schäfer, der Gewinner der Jubiläumsschützenscheibe Bernhard Ebenbeck, Schirmherr Christian Hirtreiter, stellv. Schützenmeister Georg Muhr

Die anwesenden Schützenkönige der Schützenvereinsdelegationen stellten sich dem Bild: 16 Könige und 2 Schützenmeister: links: Schützenmeister Christian Schäfer und rechts stellv. Schützenmeister Georg Muhr

Nach dem 2. Weltkrieg konnte im Jahr 1955 der Straßkirchner Vereinsschützenstand als einer der ersten in der Region wiedereröffnet werden: seither sind gerade die Schützenscheiben, welche im Vereinsheim hängen mehr als ein Hingucker. Schirmherr Bürgermeister Hirtreiter stiftete für das 100-jährige Jubiläum die kunstvoll gestaltete Ehrenschützenscheibe, welche auch zwei Vereinsschützen in der neuen im Jubiläumsjahr 2018 angeschafften Vereinskleidung zeigt. Beim Jubiläum wurden auch die Ausstattung eines modernen Sportschützen und Vereinsarchivalien ausgestellt.

Im Jubiläumsjahr 2018 zeigt die Schützengesellschaft auch die Archivalien, Fotografien und Protokollbücher, sowie weitere historische Vereinsarchivalien öffentlich, damit die weitreichende Geschichte der Almrausch-Schützen erläutert werden konnte.

Beim Straßkirchner Schützenjubiläum waren auch weitere örtliche Sportler wie der aktive Straßkirchner Tennisverein mit von der Partie.

Vor dem Festzug beim Schützengründungsfest stellte sich auch der Straßkirchner Obst- und Gartenbauverein bei weiß-blauem Bilderbuchwetter mit ihren herrlich geschmückten Wägen für einen „Schnappschuss“ vor der Gäubodenhalle auf.

Die Gewinner des Wanderpokals vom Schützenverein „Eintracht Irlbach“ wurde geehrt: von links: Christian Schäfer, Franz Berger, Gerhard Buchner, Johann Berger, Bürgermeister Christian Hirtreiter

Sektionsschützenmeister Christian Schäfer, stellv. Gauschützenmeister Roland Saller, die drei Sektionsschützenmeister (Herren) und Schirmherr Christian Hirtreiter

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