30.04.2019
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Musikantenstammtisch auch 2020

Bürgermeister Christian Hirtreiter konnte am Freitag, 26.04.2019, neben einigen Musikformationen die Gstanzlsänger Hubert Stettmeier (Stephansposching/Plattling) und Josef Danner (Oberharthausen) zum diesjährigen Musikantenstammtisch begrüßen.

Mit Gstanzln zu örtlichen Geschehnissen und Schwächen von anwesenden Persönlichkeiten konnten die Sänger das Publikum begeistern. Aber auch das gegenseitige "Aussingen" war eine Disziplin, die für die Zuschauer interessant war.
Mit den in bayerischer Mundart gekonnt vorgetragenen Reimversen wurden aber auch Stimmungen und "akutelle Entwicklungen im Bayernland" karikiert.
Gerade die niederbayerischen Gstanzl vermitteln das heimische Lebensgefühl und sind vielfach zeitlos. Insbesondere der Auftritte der örtlichen Musikerinnen und Musiker aus Straßkirchen mit eigenen Musikstücken, aber auch sehr gelungen Witzen, riefen besondere Lachsalven bei dem stimmungsgeladenen Abend hervor. Dass auch die Jugend in Straßkirchen im Musikbereich besonders talentiert ist, zeigten die Darbietungen der Geschwister Christoph und Anna Altschäffl und der jungen Geigerin Johanna Berberich. Die jungen Talente gaben unter starkem Applaus einstudierte Stücke zum Besten.
Auch im kommenden Jahr wird der Musikantenstammtisch am Freitag nach Ostern, am 17. April 2020, im historischen Gasthof "Zur Post" durchgeführt.

  "Gstanzlsingen - modernes und beliebtes Brauchtum"

Ein freches, aber nicht beleidigendes Mundwerk, Musikalität und eine schnelle Kombinationsgabe brauchen die Gstanzlsänger, denn nicht nur Talent sondern hohe Rekationsfähigkeit machen die guten Gstanzlsänger bzw. Gstanzlsängerinnen aus. Neben den frei vorgetragenen gereimten Versen sind vor allem die Stegreifgesänge eine besondere Freude für das Publikum. Die Königsdisziplin allerdings, wo dann das Publikum das Können der Gstanzlsänger richtig vergleichen kann, ist das gegenseitigen „Aussingen“. Hier ist der mitauftretende Gstanzlsänger jeweils dann die Zielscheibe der Reimverse, entweder mit seinem Auftreten oder seiner Person.

Die steigende Zahl von Gstanzlsingerauftritten bei Stammtischen und Festlichtkeiten zeigt, dass sich bayerisches Brauchtum nach wie vor großer Beliebtheit erfreut und bei Alt und Jung "modern und beliebt" ist.

Was ist ein Gstanzl?

Das Gstanzl ist eine bayerisch-österreicherische Liedform, meist als Spottgesang, der sich auch bei manchen Jugendlichen zunehmender Beliebtheit erfreut und gerade bei Volksmusikstammtischen "fröhliche Urständ" feierte. Es steht vorwiegend im Drei-Viertel-Takt und gehört wie die verwandten Schnaderhüpfel zu den Vierzeilern. Die Bezeichung „Gstanzl“ ist als eine Verkleinerung vom italienischen Wort stanza (Strophe) gedacht. Gstanzln werden vielfach aus dem Stegreif in der jeweiligen heimischen Mundart gedichtet und vorgetragen. Gute Gstanzlsänger können stundenlang Gstanzln vortragen, ohne sich zu wiederholen.

Gstanzln mit ihren unzähligen Melodien leben vor allem vom Vortrag in der entsprechenden Situation. Es gibt viele Gelegenheiten, bei denen Gstanzln entstehen. Sehr beliebt ist das Gstanzlsingen auf Bauernhochzeiten in Altbayern, wobei sich der Hochzeitslader über die Brautleute und die geladene Gesellschaft lustig macht. Das Gstanzl kann derb und hart, aber auch zart und innig sein. Meist handelt es sich um gereimte und gesungene Improvisationen, die von heiteren und ernsten Vorgängen, Gemütsstimmungen, Lebensanschauungen und Schwächen des Menschen handeln. Gstanzln werden oft von Generation zu Generation mündlich weitergegeben und erleben je nach Region und Zeitraum verschiedenste Varianten. Sie werden aber auch heute von den Sängern neu „erfunden“, um aktuelle und auch politische Begebenheiten scherzhaft zu beschreiben. Die jeweilige Mundart und die Herkunft des Sängers gibt den Stücken die besondere Färbung.

Gstanzl sind mehr als Mundartübungen

"Oachkatzlschwoaf" - können Sie dieses Wort richtig aussprechen? Ja? - dann ist man quasi ein echter Bayer. So werden die Touristen oft über die bayerische Sprache als Zugang zu unserer Kultur informiert. Welch ein Glück, dass Johannes Andreas Schmeller bereits 1827 erstmalig die bayerischen Mundarten in seinem "Bayerischen Wörterbuch" erfasst und umfassend dargestellt hat. Was den Fremden in Bayern als einheitlicher, meist unverständlicher Dialekt erscheint, ist in Wirklichkeit eine Vielzahl von verschiedenen Mundarten, die gerade bei den Gstanzln deutlich zur Geltung kommen. Jodler und Gstanzl sind nicht, wie vielfach angenommen, kennzeichnend für die gesamte bayerische Volksmusik, sondern für die südlichen Landesteile. Niederbayern ist mit mehr als hundert verschiedenen Volkstänzen eine der reichsten Tanzlandschaften. Auch das Aussingen der Hochzeitlader ist bei modernen Hochzeitsfeiern gelegentlich noch in besonderer Vielfalt zu erleben. Gerade auch manche junge Kommunalpolitiker unterstützen Bestrebungen, das überlieferte Brauchtum weiterzuentwickeln und mit neuem Sinn zu erfüllen.

Echte Tradition - keine Volkstümelei

Oftmals wehrt man sich gegen die kommerziell folkloristische Vermarktung der stammesmäßigen Eigenheiten, gegen modernistischen "Bavarian-Look", gegen oberflächlich-sentimentale Volkstümelei. Denn das Verkitschen bayerischer Wesensart will man vermeiden. Gstanzlsingen lebt in erster Linie vom Engagement und vom Weitergeben an die nächste Generation, denn die Nachwuchsarbeit ist hier das wichtigste.

Foto musikantenstammtisch2019.jpg: Johanna Beberich (Geige), Anna Altschäffl (Gesang) und Christoph Altschäffl (Gitarre,) - drei junge Musiker aus Straßkirchen brillierten beim diesjährigen Straßkirchner Musikantenstammtisch (im Bild von Links). 

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