21.01.2019
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Gemeindegeschichte erörtert

Beim jüngsten Treffen der historisch interessierten Gemeindebürger konnte Bürgermeister Christian Hirtreiter im Sitzungssaal des Rathauses die seit fünf Jahren tätigen Gremiumsmitglieder begrüßen (11.1.19).

Eingangs wurde des Ablebens des Buchautors und Altbürgermeisters Michael Schiessl gedacht und auf dessen Verdienste für die Heimatgeschichte, insbesondere in der ehemaligen Gemeinde Paitzkofen, eingegangen. Die Fresken in der Paitzkofener Kirche sind besondes wertvoll und erfreuen sich überregionalen Interesses. Auch der Regensburger Diözesanbischof Rudolf Voderholzer hat diese im November 2018 besichtigt. Das Jahr 2018 stand im Zeichen des 100-jährigen Jubiläums der Straßkirchner Schützengesellschaft Almenrausch. Berichtet wurde, dass am 24. Dezember 1918 - unmittelbar nach dem Ende des 1. Weltkriegs - sich 70 Männer, darunter viele Kriegsteilnehmer, zur Vereinsgründung entschlossen. Es wurde als erster seiner Art im damaligen Landkreis Straubing eine "Kriegsschützengesellschaft Straßkirchen" gegründet. Bereits 1924 wurde aus den Kriegsschützen der Verein "Almenrausch-Schützen", sodass bereits im August 1925 auf dem neu errichteten Schießstand ein bezirksweites Gauschießen stattfinden konnte. Im Jahr 1930 wurde dann auf dem Gelände des Gasthofs "Zur Post" auch ein Kleinkaliberschießstand errichtet, der nach dem 2. Weltkrieg durch Unterstützung von Baron von Poschinger-Bray 1955 wieder in Betrieb gehen konnte. Eine Erneuerung fand 1977 statt. Ursprünglich gab es in Straßkirchen in einem zweiten Gasthof - Leidl`scher Gasthof (Straubinger Straße) - sogar einen zweiten Schützenverein der weit vor dem 1. Weltkrieg gegründet wurde, dessen Aktivitäten allerdings früher als beiden auch heute sehr aktiven Almrausch-Schützen endeten. Das Gründungsfest am 16. September 2018 mit Siegerehrung des ILE-Gäuboden-Schießens war ein Höhepunkt im Jahresverlauf. Insbesondere die Darstellung der Archivalien und Vereinsdokumente im Rahmen eines Standes hat guten Anklang bei der Bevölkerung gefunden, so Hans Edenhofer. Bürgermeister Hirtreiter erläuterte die über zwei Jahren laufenden archäologischen Untersuchungen auf dem über zwei Hektar großen Feld in der Nähe zum Straßkirchner Schulgelände am Hiebweg. Über 1000 Befunde deuten auf eine starke Besiedlung in der Vorzeit hin. Nach den derzeitigen Funden sind die Ergebnisse daraufhin deutend, dass die Kultur bis zu 5.000 Jahre zurückgeht in die Zeit der Altheimer Kultur. Die Altheimer Gruppe (auch Altheimer Kultur) ist eine "Kulturerscheinung" der späten Jungsteinzeit im vierten vorchristlichen Jahrtausend. Nach Wegzug der Siedler aus dieser Zeit deuten weitere Funde auf Besiedlung aus der Keltenzeit und im Weiteren auf die Römerzeit hin.

Auch in römischer Zeit wurde der Bereich besiedelt und es sind zwei römische Brunnen nachweisbar, wobei bereits vor einigen Jahrzehnten bei Grabungen Reste eines römischen Kellers in einer benachbarten Fläche gefunden worden waren.

Das hier entstehende Wohnbaugebiet "Hiebäcker II" entsteht auf einer traditional alten Siedlungsfläche. Auch im Ortsteil Schambach fand aufgrund der bevorstehenden Baugebietsausweisung eine archäologische Sondage statt. Bei der Bürgerversammlung 2018 in Schambach konnte hier ein Historiker zu bedeutenden Funden in Schambach bereits ausführlich berichten. Für den Ortsteil Schambach wurde berichtet, dass Josef Bock seit über 10 Jahren die Häusergeschichte dokumentiert. Die Ortsgeschichte hängt immer auch mit der Entwicklung der Bebauung und der Veränderung der Gebäude und deren Erweiterung bzw. Erneuerung über die Generationen hinweg zusammen. Josef Bock hat seit einem Jahrzehnt die Siedlungstrukturen und deren Veränderung fotografisch, aber auch in Berichten festgehalten. Wenn ein Haus abgebrochen wird bzw. ein neues Haus entsteht, so stellt dies einen Teil der Ortshistorie dar. Denn in den mittlerweile mit enormer Rasanz wachsenden Siedlungsgebieten, verliert sich leicht die traditionelle Struktur der landwirtschaftlich geprägten Gäubodendörfer. Willi Goetz wurde herzlich zum Erhalt der Joseph-Schlicht-Medaille des Landkreises Straubing-Bogen gratuliert. Von ihm gibt es zahlreiche historische Veröffentlichungen, vor allem zur Ortsgeschichte. Besonders hingewiesen wurde auf seine Verdienste um die bajuwarischen Ausgrabungen von 1988 bis 1993, bei denen nicht nur 402 Grabinventare geborgen wurden, sondern auch reiche Erkenntnisse über weitere geschichtliche Epochen Straßkirchens gewonnen werden konnten. Zur Restaurierung und wissenschaftlichen Bearbeitung der Funde hat Goetz inzwischen über 62.000 Euro an Spenden gesammelt. Die Präsentation der Funde im Gäubodenmuseum ist in einigen Jahren fest eingeplant, nachdem erst kürzlich die Straubinger Bajuwarenfunde neu ausgestellt wurden. Ein weiterer Schwerpunkt seiner geschichtlichen Bemühungen ist das Straßkirchner Schulmusem, in dem er mit zahlreichen Projekten Kinder und Jugendliche für die Vergangenheit interessiert. 2020 wird das Schulmuseum 25 Jahre alt und soll in diesem Zusammenhang an die Gemeinde übereignet werden. Die entsprechenden Gespräche laufen derzeit. Willi Goetz konnte kürzlich den vierten Band seiner Familiengeschichte mit 758 Seiten fertigstellen. Es ist die Geschichte der Familie Krinner seit dem Jahr 1599 mit reichhaltigen zeitgeschichtlichen Dokumenten, die auch von Relevanz für die Ortsgeschichte Straßkirchens sind.

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