08.01.2020
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Archäologie und Häusergeschichte

- Holger Franz referierte zu aktuellsten Funden in Schambach -

Beim jüngsten Treffen der historisch interessierten Gemeindebürger konnte Bürgermeister Christian Hirtreiter im Sitzungssaal des Rathauses die seit sechs Jahren engagiert tätigen Gremiumsmitglieder begrüßen (2.1.2020). Eingangs wurde des Ablebens des Buchautors und Altbürgermeisters Michael Schiessl gedacht und auf dessen Verdienste für die Heimatgeschichte, insbesondere in der ehemaligen Gemeinde Paitzkofen, eingegangen. Die Fresken in der Paitzkofener Kirche sind besonders wertvoll und erfreuen sich überregionalen Interesses, derzeit ist auch die Renovierung der Paizkofner Kirche in der Abschlussphase. Die Gemeinde Straßkirchen hat hierfür eine erhebliche Förderung beigetragen.

Holger Franz referierte zu seinen Schambacher Funden

Der Hauptreferent der Abends war Holger Franz, Mitglied des Straubinger Historischen Vereins und seit über drei Jahrzehnten u.a. im Straßkirchner Gemeindebereich für geschichtliche Funde und die historische Forschung aktiv. Holger Franz berichtete über die jüngsten Ergebnissen zu Zeugnissen einer eisenzeitlichen Elite im Straßkirchner Ortsteil Schambach. Die Auswertung seiner Fundstücke hatte die Weilheimer Archäologin Dr. Bettina Glunz-Hüsken übernommen und nun aktuell in den "Bayerischen Vorgeschichtsblättern" im 84. Band veröffentlicht. Neben den Lesefunden von Holger Franz fanden aufgrund von Baugebietsausweisungen archäologische Sondagen statt, was das Bild von Schambach als einem wahrhaft bedeutenden Siedlungsgebiet in der Vorgeschichte zusätzlich bekräftigt.
Bei Schambach befinden sich mehrere Siedlungsplätze verschiedener Zeitspannen. Besonders die bereits im Urkataster (1827) eingetragenen Bereiche mit Grabstätten sind dabei von enormer Bedeutung für die fachgerechte Forschung und die Dokumentation des Geschichtsbildes im Gäuboden. Schambach hat aufgrund seiner mittigen Lage im Gäuboden als Tor zu Böhmen und nahe der Donau gelegen schon seit Jahrtausenden eine bedeutsame Siedlungsgeschichte aufzuweisen. Besonders in der Eisenzeit hatte die Schambacher Ortsflur einige hervorgehobene reiche Familien beheimatet, begünstigt durch die Lage an Handelswegen und inmitten fruchtbarster Lößgebiete. Zahlreiche, teils kleinste Fragmente von Grabaussattungen und Scherben von Gefäßen zeigen, dass es sich um Fundstätten aus der sogenannten Hallstatt-Zeit und frühen Latènezeit handelt. Besondere Trachtbestandteile, Fibeln, Hüft- und Ringschmuck, sowie Gürtelzubehör, Zierrat und Pferdegeschirr konnte so in die Zeit zwischen dem 7. und 3. vorchristlichen Jahrhundert datiert und von Frau Glunz-Hüsken in der aktuellen Ausarbeitung bewertet und fachlich als enorm wichtig eingestuft werden. Holger Franz berichtete auch, dass gerade die Dokumentation und die fachliche Auswertung von Fundstücken höchste Brisanz haben, da Sondengänger derzeit leider auch im Gäuboden unterwegs sind und so wichtige Fundstücke möglicherweise nicht der Öffentlichkeit zugute kommen.

Bereits bei der Bürgerversammlung 2018 in Schambach konnte Holger Franz zusammen mit seinem ebenso über Jahrzehnte archäologisch aktivem Vater zu bedeutenden Funden in Schambach ausführlich berichten. Bei der kommenden Bürgerversammlung im Mai 2020 wird Holger Franz weitere Ausführungen zu den neuen Kenntnissen über die Vorgeschichte Schambachs gestalten.

Straßkirchner Siedlungsgebiet war schon bei den Römern beliebt

Bürgermeister Hirtreiter erläuterte die über drei Jahren laufenden archäologischen Untersuchungen auf dem über zwei Hektar großen Feld in der Nähe zum Straßkirchner Schulgelände am Hiebweg. Über 1000 Befunde deuten auf eine starke Besiedlung in der Vorzeit hin. Nach den dortigen Funden sind die Ergebnisse daraufhin deutend, dass die Kultur bis zu 5.000 Jahre zurückgeht in die Zeit der Altheimer Kultur. Die Altheimer Gruppe (auch Altheimer Kultur) ist eine "Kulturerscheinung" der späten Jungsteinzeit im vierten vorchristlichen Jahrtausend. Nach Wegzug der Siedler aus dieser Zeit deuten weitere Funde auf Besiedlung aus der Keltenzeit und im Weiteren auf die Römerzeit hin.

Auch in römischer Zeit wurde der Bereich besiedelt und es sind zwei römische Brunnen nachweisbar, wobei bereits vor einigen Jahrzehnten bei Grabungen Reste eines römischen Kellers in einer benachbarten Fläche gefunden worden waren.

Das hier entstehende Wohnbaugebiet "Hiebäcker II" entsteht auf einer traditional alten Siedlungsfläche. Die letzten Notarverträge für die Bauparzellen werden derzeit von der Gemeinde Straßkirchen abgewickelt, sodass die ersten Wohnbauten im Sommer 2020 entstehen können. Für den Ortsteil Schambach wurde berichtet, dass Josef Bock seit über 10 Jahren die Häusergeschichte dokumentiert. Die Ortsgeschichte hängt immer auch mit der Entwicklung der Bebauung und der Veränderung der Gebäude und deren Erweiterung bzw. Erneuerung über die Generationen hinweg zusammen. Josef Bock hat seit einem Jahrzehnt die Siedlungstrukturen und deren Veränderung fotografisch, aber auch in Berichten festgehalten. Wenn ein Haus abgebrochen wird bzw. ein neues Haus entsteht, so stellt dies einen Teil der Ortshistorie dar. Denn in den mittlerweile mit enormer Rasanz wachsenden Siedlungsgebieten, verliert sich leicht die traditionelle Struktur der landwirtschaftlich geprägten Gäubodendörfer. Hans Edenhofer ist für die Ortsgeschichte in Straßkirchen stark aktiv und macht mit detailreicher fotografischer Dokumentation eine Tätigkeit beim Festhalten von Entwicklungenin den Siedlungsbereichen, die enorm wichtig ist. Denn schon nach wenigen Jahren wissen wenige, wie eine Straßenzug nach der Sanierung oder nach Neu- oder Umbauten ausgesehen hat. Willi Goetz wurde herzlich für seine heimatgeschichtliches Engagement gedankt. Von ihm gibt es zahlreiche historische Veröffentlichungen, vor allem zur Ortsgeschichte. Besonders hingewiesen wurde auf seine Verdienste um die bajuwarischen Ausgrabungen von 1988 bis 1993, bei denen nicht nur 402 Grabinventare geborgen wurden, sondern auch reiche Erkenntnisse über weitere geschichtliche Epochen Straßkirchens gewonnen werden konnten. Zur Restaurierung und wissenschaftlichen Bearbeitung der Funde hat Goetz inzwischen über 62.000 Euro an Spenden gesammelt. Die Präsentation der Funde im Gäubodenmuseum ist in einigen Jahren fest eingeplant, nachdem erst kürzlich die Straubinger Bajuwarenfunde neu ausgestellt wurden und die Straßkirchner Adelsgräber auch im "Haus der bayerischen Geschichte" in Regensburg eine besondere Würdigung finden. Ein weiterer Schwerpunkt seiner geschichtlichen Bemühungen ist das Straßkirchner Schulmusem, in dem er mit zahlreichen Projekten Kinder und Jugendliche für die Vergangenheit interessiert. 2020 wird das Schulmuseum 25 Jahre alt und wird im Mai 2020 in diesem Zusammenhang an die Gemeinde übereignet werden. Dazu wird ein großes Schulfest in der örtlichen Schule organisiert. Die Straßkirchner Mittelschule ist seit dem Schuljahr 2019/2020 eine von vier Mittelschulen die als Kulturschule ausgewählt wurde, dies sein eine besondere Auszeichnungen, denn die Straßkirchner Mittelschule ist als erste Schule Niederbayerns auch als "Kunst-Mittelschule" ausgezeichnet worden.

Holger Franz übergab den Sonderdruck zu den "Zeugnissen einer eisenzeitlichen Elite in Schambach" an die Gemeinde Straßkirchen: im Bild Holger Franz zusammen mit den Gremiumsmitgliedern im Straßkirchner Sitzungssaal: von rechts: Willi Goetz, Josef Bock, Holger Franz, Hans Edenhofer und Bürgermeister Christian Hirtreiter

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