16.10.2018
0 Bewertungen Rating
Schriftgröße

Abschlussführung in der Straßkirchner Kunstausstellung zum 100. Geburtstag des Kunstmalers Friedrich Tschischke (1918-2006)

Jüngst ist die diesjährige Straßkirchner Kunstausstellung im Pfarrheim St. Stephanus zu Ende gegangen. Der Besuch durch die örtlichen und überregionalen Kunstliebhaber war sehr gut.

Der Schwerpunkt der Ausstellung im Rahmen einer Sonderausstellung war das Gedenken an den überregional bekannten akademischen Maler Friedrich Tschischke. Im Rahmen einer Führung durch Bürgermeister Christian Hirtreiter wurde den Kunstinteressierten das Werk Tschischkes aber auch der Straßkirchner Künstlerinnen und Künstler vorgestellt. Der weit über Niederbayern hinaus bekannte Maler und ehemalige Ehrenvorsitzende der Gemeinschaft Bildender Künstler Straubing ist im Dezember 2006 fast neunzigjährig verstorben – 2018 wäre er 100 Jahre alt. Im letzten Kriegsjahr des ersten Weltkriegs, 1918, ist Friedrich Tschischke in Leipe/Breslau (heute Polen) als Sohn einer Porzellanmalerin und eines Hafners (Töpfers) geboren. Er war Schüler des Breslauer Graphikers Franz Bernhard Sucro, besuchte die Breslauer Kunstgewerbeschule und war Schüler von Dr. Karl Lindemann und Hugo Ludwig (6 Semester). Beruflich war er bis zum 2. Weltkrieg als Graphiker bei der schlesischen Landesplanungsgemeinschaft tätig. Nach dem Kriegseinsatz (ab 1940) und dem Ende des 2. Weltkriegs kehrte er in seine neue Heimat nach Niederbayern heim. Er war hauptberuflich bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Straubing tätig. Seine Leidenschaft war in der Freizeit jedoch die Kunst und vor allem die Malerei. Ab 1950 gehörte er der Gemeinschaft Bildender Künstler an.

Der freischaffende Künstler und Graphiker mit Malerwerkstatt in Straßkirchen beschäftigt sich über Jahrzehnte mit vielen Kunstdisziplinen. Schwerpunkt seines Schaffens waren Landschaftsgemälde in deren Gestaltung sich Kraft und Vision vereinigt. Diese Mischung zweier in absolut irrationalem Zusammenhang stehenden Impulsen ergibt die intensiv wirkenden Bilderzyklen, welche durch ihr Licht- und Farbenspiel den Betrachter beeindruckend einzufangen verstehen. Er gestaltete brilliante Aquarelle und Ölbilder, wo er gerade die kräftigen Farben zur Geltung kommen ließ.

Bei seinen heimatlichen Landschaftsgemälden kann man die geheimnisvolle Glut und markante Leuchtkraft der Farben in Verbindung mit der dargestellten Faszination von der eigenen Heimat deutlich erkennen. Viele Malschüler konnten Tschischke in seinem Kunstlehrerleben über die Schulter schauen und so erleben, wie Schritt für Schritt ein Bild entsteht - von der Skizze bis zum Stillleben. Die Bedeutung von Bildaufbau und Proportionen, Perspektive, Farb- und Schattengebung werden durch seine Bilder sofort verständlich. Das Malen der Natur und der heimatlichen Landschaft war eines der Hauptanliegen in seinem Schaffen.

Das Malen im Freien kann jeden empfänglich machen für die wechselhaften Stimmungen und Schwingungen des Lichts und der Farben, so Tschischke immer zu seinen Schülern. Gleichzeitig ist es immer die „eigene Natur“, die der „äußeren Natur“ gegenübersteht, so der akademische Maler und Graphiker bei seinen gut besuchten Aquarellkursen und Kunstakademien. Das Landschaftsbildnis war für ihn immer auch etwas über die Meinung und die Perspektive die man sich bildet, und sagt daher auch viel über die private Stimmungslage der Kunstschaffenden aus. Das erforderte immer ein rasches und entschlossenes Vorgehen: die Ölfarbe besitzt Tiefe und bleibt lange vermalbar, was besonders hilfreich zum Schaffen von Übergängen ist, so Tschischke, deshalb begeisterte sich Tschischke besonders auch für die Ölmalerei. Die Aquarellmalerei im engeren Sinne wie sie Friedrich Tschischke auch an seine vielen Malschüler weitergegeben hat, hat er als Maltechnik unter Verwendung lasierender Farben über seine jahrzehntelange Schaffensperiode kontinuierlich weiterentwickelt.

Tschischke hatte seine Aquarelle vor allem zu Studienzwecken oder zur Vorbereitung von Ölgemälden verwendet. Als eigenständige und wertvolle Kunstwerke haben die Landschaftsaquarelle aus dem Gäuboden und dem Bayerischen Vorwaldbereich im Rahmen von zahlreichen Studien eine deutliche Aufwertung über die Jahre erfahren. Gerade die Ölbilder von seinen Reisen und Exkursionen nach Italien und in die ehemalige schlesische Heimat sind bemerkenswert. Der freischaffende Künstler hat ein umfangreiches Werk hinterlassen. Es befinden sich Kunstwerke bei mehreren Behörden, der Staatliche Kunstsammlung München und im Privatbesitz. Auch mehrere heute noch aktive Mitglieder der Straßkirchner Künstlergemeinschaft haben Malkurse bei Friedrich Tschischke besucht. Bei der Führung wurden auch die Werke der übrigen Straßkirchner Künstlerinnen und Künstler:
Ingrid Faltermeier, Maria Lorenz, Walter Lorenz, Johann Orth, Brigitte Tarras, Maria Thurner, Mellissa Faltermeier, Ralf Zierer, Manfred Hilmer, Gottfried Cech und Claudia Raissle erläutert. Größtenteils waren die Künstler selbst anwesend und informierten zu den jeweils ausgewählten exzellenten Werken aus ihren jeweiligen Schaffensgebieten bei der Führung.

Der Kunstmalers Friedrich Tschischke, 1918-2006, (rechts im Bild der verstorbene Maler links sein noch heute sehr rüstige Witwe Erna Tschischke) zeigte bei seiner letzten Ausstellung im Jahr 2004 im Straßkirchner Pfarrheim St. Stephanus seine Werke (Archivbild, 2004. Besonders heimatliche Landschaften im Gäuboden faszinierten ihn.

Ist dieser Artikel für Sie hilfreich?